Hydrologie

Die Hydrologie ist die Wissenschaft, die sich mit dem Wasser befasst: seine Erscheinungsformen, Zirkulation, Eigenschaften, Wirkungen ... Auf unserer Domäne untersuchen Wissenschaftler den Fluss, das Regenwasser, das durch den Kalksteinfelsen in die Höhle sickert, sowie Grundwasser aus dem Grundwasserspiegel.

Ein herausragender Künstler

Der Künstler hinter den Wundern in der Höhle... ist Wasser! Mit großer Geduld hat das Wasser über Millionen von Jahren hinweg die Galerien, Säle und Konkretionen der Höhle geschnitzt.

Wasser spielt auf dem Gelände der Domäne der Grotten von Han eine große Rolle, da der Fluss (die Lesse) am Abgrund von Belvaux, im Herzen des Tierparks, vollständig ins Erdinnere verschwindet, um auf der anderen Seite des Hügels, bei der Öffnung von Han, herauszufließen. Für einen Fluss dieser Größe ist dies ein einzigartiges Phänomen in Westeuropa. Entdecken Sie das Epos der Lesse:

Alles hat mit ganz winzigen Rissen angefangen…

Die natürlichen Rissbildungen in den Felsen haben mit der Zeit unter zwei „Wasserangriffen” gelitten:

  • Ein chemischer Angriff, Korrosion genannt. Das Regenwasser, säurehaltig durch seinen Kontakt mit dem Humus an der Oberfläche, versickert im Kalkboden und hat auf diese Weise das Gestein aufgelöst. So wurden die Risse immer breiter. Dieses vor 130 Millionen Jahren begonnene Phänomen ist ebenfalls der Ursprung der Tropfsteinbildung in der Höhle;
  • Ein mechanischer Angriff, Abrieb genannt. Als der Fluss Lesse im Boine-Massiv eindringen konnte, haben die Wasser-Abreibungen und alles, was mittransportiert wurde, zu einer Wandabnutzung geführt. Der älteste Beweis für den Durchgang eines Wasserlaufs in den Höhlen sind Kieselsteine, deren Vorkommen in der Höhle auf 1,69 Millionen Jahre datiert wird.

Diese beiden Angriffe tragen zu einer globalen Erosion bei, welche die Tropfsteinhöhlen bildet.

Ein unterirdischer Fluss

Früher bildete die Lesse einen großen Mäander auf einer weiten, flachen Ebene. Als sich die Ardennen aufgrund tektonischer Bewegungen zu erheben begann, zerschnitt der Fluss die Felsen, über welche er floss, und enthüllte die Landschaft aus Hügeln und Tälern, die wir heute kennen. In einem dieser Mäander, die der Fluss schuf, befand sich der Hügel von Boine aus Kalkstein. Im Laufe der Zeit bahnte sich der Fluss seinen Weg durch den Hügel, kreuzte einen seiner Mäander und beteiligte sich so an der Entstehung der Höhle.

Es handelt sich somit um eine der beiden Kategorien unterirdischer Flüsse: das mäandrierende hydrogeologische System, die Mäanderkreuzung gennant. Das zweite System ist das des Verlust-Wiederauftretens, bei dem ein Fluss geradlinig unter der Erde verläuft, ohne dass er einen Mäander kreuzt.

Der Abgrund von Belvaux

Der Ort im Herzen des Tierparks, an dem der Fluss unter der Oberfläche verschwindet, wird Abgrund von Belvaux genannt. Echte geologische Perle, beherbergt dieser einen 45m tiefen, schwindelerregenden Siphon, über welchen der Fluss ins Erdinnere verschwindet. Es handelt sich derzeit um den hauptsächlichen Flussverlust im Hügel von Boine. Als Flussverlust bezeichnet man die Stelle, an der der Fluss unter die Erde fließt. In der Vergangenheit hat der Fluss auch andere Verluste im Massiv benutzt.

Ein spektakulärer Anstieg des Wassers

Jedes Jahr, bei Starkniederschlägen, steigt der Wasserdurchfluss der Lesse. Wenn dieser am Abgrund von Belvaux im Tierpark die maximale Absorptionsfähigkeit von ungefähr 27 Kubikmetern/Sekunde überschreitet, tritt der Fluss über die Ufer. Dann fließt der Fluss um den Hügel in seinem alten Bett im Tal rückwärts durch Wiederaufnahme alter Verluste im Massiv, wie die Öffnung von Enfaule. Im Dorf sagt man in diesem Fall, dass die „Lesse dreht”. Dann kann ihre Breite mehr als 11,5 Meter erreichen! 

In der Vorhalle des Abgrundes bezeugen horizontale Spuren über solche beeindruckenden Jahreshochwasser…

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Kontinuierliche Beobachtungen

Im Rahmen eines globalen Monitorings der Höhle, messen wir an mehreren Stellen ständig die Temperatur des Flusses. Wir beobachten, dass die Temperatur der Lesse je nach Jahreszeit zwischen 1 und 18 Grad schwankt. Während der Flussdurchquerung, welche nicht sehr lange dauert, bleibt diese ungefähr dieselbe wie außerhalb der Höhle.

Der unterirdische Parcours der Lesse erstreckt sich auf fast 2 km. Dieser beginnt am Abgrund von Belvaux und endet am Ausgang Ihres Besuches, an der Öffnung von Han. Je nach Volumenstrom, variiert die unterirdische Wasserfließzeit zwischen 3 und 36 Stunden. Ein wissenschaftliches Experiment mittels Einfärbung des Wassers am Eingang des unterirdischen Laufes (Abgrund bis zum Austreten) erbrachte diese Resultate.

Bewahrer der Vergangenheit

Der Fluss ist auch der Hüter der Spuren der Vergangenheit. Geschützt durch Sedimente unter Wasser sind Gegenstände aus der Vergangenheit vor Tageslicht und Sauerstoff geschützt, wodurch sie gut erhalten bleiben. Beim Wiederauftauchen der Lesse an der Öffnung von Han wurden viele Gegenstände im Flussbett gefunden. Diese zeugen von der menschlichen Ansiedlung der Höhle seit mehr als 10.000 Jahren. Sie können diese im PrehistoHan-Museum entdecken, einer spannenden Ausstellung, die Sie durch die Jahrtausende führt!